Leseprobe: „Zukunft braucht Herkunft" von Matthias Platzeck
„Am 11. September 1989 bestieg ich in Budapest eine Interflug-Maschine nach Berlin-Schönefeld. Der Flug war ausgebucht, trotzdem blieben viele Sitzplätze leer. An diesem Tag wollte kaum jemand aus Ungarn zurück in die DDR. Einige Touristen, ein paar westdeutsche Journalisten. Dazu meine Freundin und ich.
Am Abend zuvor hatte der ungarische Außenminister Gyula Horn angekündigt, ab Mitternacht seien alle Bürger der DDR offiziell berechtigt, Ungarn in Richtung Westen zu verlassen. Zigtausende Ostdeutsche im Land hatten seit Wochen auf diese Nachricht gehofft. Unser ungarischer Freund, den wir besucht hatten, bot an, uns noch in derselben Nacht mit dem Auto nach Österreich zu bringen ..."